Der Holocaust in Litauen
| Was |
|
|---|---|
| Wann |
26.05.2012 um 17:55 bis 02.06.2012 um 10:55 |
| Wo | Vilnius |
| Name | Steffen Hänschen |
| Termin übernehmen |
|
Als im Sommer 1941 die deutschen Wehrmachtstruppen nach Litauen vorstießen, begann das Ende der jüdischen Geschichte des Landes. Die deutsche Besatzung begann am 23. Juni 1941 und endete am 13. Juli 1944. In Wilna wurden in der Altstadt zwei Ghettos errichtet. Mit der Vertreibung der jüdischen Bevölkerung in die Ghettos begannen systematische Selektionen und Massenmorde im Wald von Paneriai (etwa 10 km westlich der Altstadt). Das kleine Ghetto wurde bereits im Oktober 1941 aufgelöst, das zweite Ghetto bestand bis zum September 1943. Nur wenigen gelang es, sich vor der Liquidierung zu verstecken oder zu den PartisanInnen in den Wald zu fliehen. Die verbliebenen Juden und Jüdinnen wurden in Konzentrationslager deportiert und ermordet. Von den etwa 70.000 Juden und Jüdinnen, die 1941 in Wilna gelebt hatten, überlebten etwa 2000 die deutsche Besatzung.
Die Bildungsreise findet vom 26.05.2012 bis 02.06.2012 statt. Während unseres Aufenthaltes in Vilnius werden wir bei Begegnungen mit unterschiedlichen Organisationen und Menschen die Möglichkeit haben, uns zur jüdischen Geschichte des ehemaligen „Jerusalem des Nordens“ und zum Umgang mit der jüdischen Geschichte nach 1945 zu informieren.
Tagesprogramm:
26. Mai, Samstag
Wir reisen mit der Bahn von Berlin über Szczecin nach Warschau. Die Fahrt beginnt um 19.30 Uhr am Hauptbahnhof Berlin. Wir werden am Sonntagmorgen in Warschau ankommen, weiter nach Białystok fahren, um dort von unserem Bus abgeholt zu werden, der uns nach Vilnius bringt. Für Verpflegung während der Fahrt müssen die TeilnehmerInnen selbst sorgen.
27. Mai, Sonntag
Wir werden morgens um 10.09 Uhr in Białystok ankommen und nach kurzem Aufenthalt weiter nach Vilnius fahren. Ein Bus wird uns am Bahnhof abholen. Voraussichtlich erreichen wir Vilnius am Nachmittag. Nach einer Pause werden wir nach einer Vorstellungsrunde der TeilnehmerInnen einen Vortrag über die politisch-gesellschaftliche historische Entwicklung Litauens und Vilnius’ anhören. Am Abend werden wir dann noch einen Blick auf die Stadt werfen.
28. Mai, Montag
Dieser Tag wird dem ehemaligen jüdischen Ghetto in Wilna gewidmet sein. Nach einer Einführung über die Geschichte, die Entstehung und die Auflösung werden wir eine Führung durch das ehemalige Ghetto bekommen. Danach werden wir uns das ‚Grüne Haus’ anschauen, das örtliche Museum über den Holocaust. Bei einem Gespräch mit MitarbeiterInnen des Museums können Fragen beantwortet werden.
29. Mai, Dienstag
Dieser Tag wird dem jüdischen Widerstand in Litauen und Wilna gewidmet sein. Morgens werden wir die Möglichkeit zu einem Gespräch mit Fania Brancovskaja-Jocheles haben, einer Zeitzeugin aus dem Wilnaer Ghetto. Zusammen mit ihr werden wir danach die Reste eines Basislagers von jüdischen Partisanen anschauen.
Nach der Rückkehr nach Vilnius steht der weitere Tag zur freien Verfügung: durch Vilnius bummeln, einkaufen, entspannen ...
30. Mai, Mittwoch
Morgens werden wir uns mit einem Vertreter der jüdischen Gemeinde von Vilnius treffen. In einem offenen Gespräch werden wir uns über die aktuelle Situation von Juden und Jüdinnen in Litauen informieren.
Der weitere Tag ist dann den Orten der Vernichtung der jüdischen Bevölkerung gewidmet. Nachdem wir den ehemaligen Sitz der Gestapo in Wilna und das Gefängnis Lukishki gesehen haben, das als Sammelpunkt für die Menschen diente, die in den Tod deportiert wurden, fahren wir weiter nach Paneriai. Mit der Vertreibung der jüdischen Bevölkerung in die Ghettos begannen bereits kurz nach der deutschen Besetzung Litauens im Jahr 1941 die systematischen Selektionen und Massenmorde im Wald von Paneriai, das sich etwa 10 km westlich der Altstadt befindet.
31. Mai, Donnerstag
Morgens werden wir über die Erinnerungspolitik in den postsowjetischen Staaten und insbesondere in Litauen sprechen. Nach einem kurzen Input besteht die Möglichkeit zu fragen und zu diskutieren. Der offiziellen litauischen Geschichtsschreibung wird eine „Doppelte-Genozid-Theorie“ zugrundegelegt, die die nationalsozialistischen Verbrechen, den Völkermord an den Juden, gleichsetzt mit sowjetischen Verbrechen am litauischen Volk, das während der Besatzung seiner Identität beraubt wurde. In diesem Kontext ist auch ein Ermittlungsverfahren zu sehen, von dem im letzten Jahr ehemalige jüdische Partisanen betroffen waren. Vorgeworfen wurde den hochbetagten ehemaligen Kämpfern gegen die Faschisten, Verbrechen begangen zu haben. Es ging um die Ereignisse in dem polnisch-litauischen Dorf Koniuchy, wo PartisanInnen hatten am 29. Januar 1944 die dortige deutsche Garnison angegriffen hatten. Bei den Kämpfen wurden auch 38 DorfbewohnerInnen getötet. Nach der Gesprächsrunde fahren wir zum Genozid-Museum von Vilnius, das sich im ehemaligen Gestapo-Sitz befindet.
Nach einer längeren Pause werden wir an diesem Tag auch in die Stadt Kaunas fahren. In der deutschen Besatzungszeit gab es hier eins der drei größeren Ghettos Litauens. Wir kommen am frühen Abend in Kaunas an und werden uns die Stadt abends gemeinsam ansehen.
1. Juni, Freitag
Am Mogen schauen wir uns das Gelände des ehemaligen Ghettos im Stadtteil Viliampole in Kaunas an wie Orte, an denen bereits vor der Ankunft der Deutschen ein Pogrom der litauischen gegen ihre jüdischen Nachbarn stattfand. Ebenfalls werden wir sehen, wie und wo der Schmuggel von Lebensmitteln und anderen Gütern stattfand. Auch in Kaunas gab es eine Erschießungsstätte, das 9. Fort. Einigen Mitgliedern des jüdischen Sonderkommandos, das bei den Erschießungen und der darauf folgenden Verbrennung der Leichen arbeiten musste, gelang es zu fliehen. Heute gibt es im 9.Fort ein Denkmal und eine Ausstellung, die wir besuchen werden.
Nach einer Abschlussrunde werden wir am Nachmittag mit dem Bus nach Polen abreisen, um von dort mit dem Nachtzug nach Berlin zu fahren.
2. Juni, Samstag
Ankunft in Berlin.
Anmeldung:
Wir bitten um frühzeitige Anmeldung, da sonst die Teilnahme nicht garantiert werden kann. Der TeilnehmerInnenbeitrag beträgt 470,00 Euro. Im Teilnahmebetrag enthalten sind Übernachtung im 2-3 Bettzimmer, zwei Mahlzeiten am Tag, An- und Abreise. Auf Wunsch kann gegen Bezahlung eines Zuschlags ein Einzelzimmer gebucht werden. Bei eigener Anreise nach Vilnius, reduziert sich entsprechend der Teilnahmebeitrag. Die TeilnehmerInnen der Bildungsreise werden vom Veranstalter nicht kranken- und nicht reiseversichert.
Anmeldungen und Überweisung des Teilnahmebeitrages bitte an das
Bildungswerk Stanislaw Hantz e.V. Kassel
Konto 1071 371; BLZ 520 503 53 der Kasseler Sparkasse.
Fragen zum Programm, Ablauf und Organisation der Veranstaltung beantwortet das Bildungswerk Stanislaw Hantz e.V. (Steffen Hänschen):
haenschen@bildungswerk-ks.de Dörnbergstraße 11 34119 Kassel www.bildungswerk-ks.de
