Bełżec, Sobibór, Treblinka - die vergessenen Mordlager des Holocaust
Drei Nationen
Die Bildungsreise zu den ehemaligen Vernichtungslagern der „Aktion Reinhardt“ wird in Kooperation mit der niederländischen Stichting Sobibór und dem polnischen Verein Studnia Pamięci (Brunnen der Erinnerung) veranstaltet.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aus Deutschland, aus den Niederlanden und aus Polen.
Sprache
Ein Teil der Führungen, Vorträge ist in englischer Sprache.
Für alle deutschsprachigen TeilnehmerInnen die keine oder nicht ausreichende englischen
Sprachkenntnisse haben, steht ein Übersetzer zur Verfügung.
Die Bildungsreise
Geprägt wird diese Bildungsreise durch den Besuch der ehemaligen Mordstätten des Holocaust - Belzec, Sobibor und Treblinka. Gemeinsame Rundgänge und die Möglichkeit das Terrain individuell wahrzunehmen, ermöglichen einen kennen lernen der Topografie .und der Geschichte der Mordlager. Aber auch die Umgebung persönlich aufzunehmen und zu erfahren.
Mit dem Besuch der Orte ist die Geschichte des Leidens der Jüdinnen und Juden auf dem Weg in den Tod verbunden. Die Deportation aus ihren Wohnorten, die Qualen der Fahrt zum Mordlager und die letzten Stunden, Minuten nach Ankunft im Mordlager. Dazu gehört auch das Schicksal von einigen tausend verschleppten Menschen, die im Mordlager von den Tätern zur Arbeit gezwungen wurden. Die Frage nach den Tätern, den Mitwissern und Zuschauern begleitet uns während der Bildungsreise. Mit ausgewählten Biografien werden die unterschiedlichen Täter zur Diskussion gestellt. Vom Exzesstäter über den Gleichgültigen bis zum Verzweifelten. Die große Zahl der Mitwisser und Zuschauer beim Mord an der jüdischen Bevölkerung stellt die Frage der Schuld nicht nur mit Blick auf die Täter. Der Umgang der polnischen Gesellschaft mit den Orten des Mordes und dem jüdischen Erbe sind ständig präsent. Beide Fragen werden bei der Bildungsreise thematisiert. Zum Beispiel sind die Leiter der verschiedenen Gedenkstätten eingeladen um über die Geschichte und aktuelle Situation der Gedenkstätten zu berichten.
Das Tagesprogramm
29. September, Samstag
Wir reisen mit der Bahn von Berlin nach Lublin.
Die Zugverbindung mit der Abfahrts- und Ankunftszeit steht erst mit der
Veröffentlichung des Sommerfahrplans der Deutschen Bundesbahn zur
Verfügung.
Für die Verpflegung während der Anreise müssen die TeilnehmerInnen
selbst sorgen.
30. September, Sonntag
Der Tag beginnt mit einer Vorstellungsrunde der TeilnehmerInnen.
Anschließend wird der Historiker Robert Kuwalek, Mitarbeiter der
Gedenkstätte Majdanek, in die Geschichte der Region Lublin vor dem
Krieg einführen. Dabei steht das Verhältniss zwischen jüdischer und
christlicher Bevölkerung im Mittelpunkt.
Bei einem Rundgang durch das ehemalige Ghetto von Lublin werden wir uns
mit den Lebensdingungen der Menschen im Ghetto auseinandersetzen.
Bis zum Einmarsch der Deutschen 1939 war Lublin ein Zentrum der
Chassidismus, des orthodoxen Judentums in Osteuropa. Von den 122.000
Einwohnern Lublins waren zu diesem Zeitpunkt 40.000 Juden. Wie auch in
anderen polnischen Großstädten wurde die Stadt nach dem Einmarsch der
Deutschen in Sektoren aufgeteilt und ein jüdisches Ghetto eingerichtet.
Vom 17. März bis zum 20. April 1942 wurden etwa 30.000 Lubliner Juden
ermordet – die meisten von ihnen im Vernichtungslager Belzec. Nach dem
Ende des Krieges, in der sozialistischen Ära Polens, wurde die jüdische
Geschichte der Stadt und der Holocaust weitestgehend ignoriert. Erst seit
einigen Jahren beginnt man sich wieder der jüdischen Vergangenheit zu
erinnern.
Unser Nachmittagsprogramm beginnt mit einer Einführung in die Geschichte
der „Aktion Reinhardt“. „Aktion Reinhardt“ – das war der Codename der
deutschen Nationalsozialisten für die systematische und millionenfache
Ermordung der jüdischen Menschen, die während des 2. Weltkrieges in
Polen lebten. Insgesamt wurden während der „Aktion Reinhardt“ über
1.700.000 Millionen Menschen ermordet. In Lublin war die Zentrale dieses
Massenmordes untergebracht.
Im Anschluß gehen wir zu Orten in Lublin, von denen aus die „Aktion
Reinhardt“ organisiert wurde. Anhand von Biografien stellen wir
deutsche Täter vor.
1. Oktober, Montag
Wir fahren von Lublin aus nach Südosten auf der Bundesstraße
Richtung polnisch-ukrainische Grenze.Auf dem Weg in das frühere jüdische „Schtetl“ Izbica stoppen wir in
dem kleinen Dorf Krasnyczyn. Jüdinnen und Juden aus Deutschland
wurden in diesem abgelegenen Ort deportiert, bevor sie in den
Mordstätten der „Aktion Reinhardt“ getötet wurden. Kaum bekannt ist,
dass viele der aus Deutschland und anderen europäischen Ländern
nach Ostpolen deportierten Jüdinnen und Juden zunächst in
Durchgangslager wie Krasnicyn oder Izbica gebracht wurden.Izbica war vor 70 Jahren das größte Transitghetto. In Izbica
wurden hunderte Jüdinnen und Juden u.a aus Deutschland Tage,
manchmal aber auch Wochen und Monate, interniert, bis sie weiterin
die nahe gelegenen Vernichtungslager Belzec oder Sobibór gebracht
und ermordet wurden. Wie in Wlodawa und anderen polnischen Dörfern
und Kleinstädten, die wir besuchen, leben auch in Izbica
gegenwärtig keine jüdischen Menschen mehr. Einzig ein jüdischer
Friedhof erinnert an die Vergangenheit. Hier wurden im November
1942 tausende jüdische Menschen erschossen und verscharrt. Auf der
Suche nach Spuren der Vergangenheit besuchen wir den Friedhof und
andere Plätze im Ort. Am Beispiel des ehemaligen jüdischen
Friedhofs von Izbicawird der Umgang mit der jüdischen Geschichte
in Polen thematisiert. Die Diskussion dazu vertiefen soll auch ein
Besuch des ehemaligen jüdischen Friedhofs in Piaski, auf der
Rückfahrt von Izbica nach Lublin.Am Abend wird eine Mitarbeiterin von der „Foundation for the
Preservation of Jewish Heritage in Poland“ ihre Arbeit vorstellen.
Aufgabe der Foundation ist es u.a. die ehemaligen jüdischen
Friedhöfe in Polen vor dem Verfall zu schützen.
2. Oktober, Dienstag
Treblinka war die größte Mordstätte der „Aktion Reinhardt“ und liegt in
der Nähe von Warschau. Knapp eine Million Menschen wurden dort ermordet,
vor allem Jüdinnen und Juden aus dem Warschauer Ghetto.
Bevor wir zur Gedenkstätte fahren, besuchen wir die Stadt Siedlce. Vom
22. bis zum 24. August 1942 wurden dort etwa 10.000 jüdische Menschen
in die Mordstätte Treblinka verschleppt.
Nach unserem Aufenthalt in Siedlce fahren wir in die Ortschaften Wolka
Okraglik und Treblinka. Dort kamen alle Züge mit den deportierten
Menschen an. Dort mussten sie warten, eingepfercht in die Waggons, bis
die Waggons auf einer Nebengleisanlage in die Mordstätte geschoben
wurden. Anschließend Rundgang in der Gedenkstätte Treblinka.
3. Oktober, Mittwoch
Unser Tagesprogramm beginnt mit einem Vortrag zur Geschichte des
jüdischen Lebens in Polen nach 1945.Im Anschluß fahren wir zur Gedenkstätte Majdanek. Unser Rundgang
Nach dem Besuch der Gedenkstätte Majdanek ist Zeit für einen
in der Gedenkstätte Majdanek beginnt mit der Geschichte der
„Aktion Erntefest“. Am 3. und 4. November 1943 wurde die „Aktion
Reinhardt“ mit der sogenannten Aktion Erntefest beendet. Etwa
42.000 Juden wurden in diesen zwei Tagen ermordet. Davon allein
im Konzentrationslager Majdanek etwa 17.000 Juden.
Spaziergang durch Lublin, einkaufen und entspannen...
4. Oktober, Donnerstag
Bełżec liegt etwa hundert Kilometer von Lublin entfernt, an der
ukrainischen Grenze.
Vor unserem Besuch in der Gedenkstätte Bełżec machen wir einen
Stopp in dem kleinen Städtchen Trawniki. Hier wurden die
„fremdvölkischen“ Einheiten des SS- und Polizeiführers Lublin
ausgebildet: die so genannten Trawniki-Männer. Sie wurden
hauptsächlich unter sowjetischen Kriegsgefangenen rekrutiert.
Trawniki-Männer wurden unter anderem als Wachmannschaften in den
Mordstätten der „Aktion Reinhardt“ eingesetzt.Historisch betrachtet war Bełżec das erste Lager der „Aktion
Reinhardt“. Hier begannen die Deutschen mit der Ermordung
jüdischer Menschen in stationären Gaskammern. Innerhalb von
zwölf Monaten tötete die SS dort etwa 500.000 Menschen mit den
Abgasen von Panzermotoren. Seit Juni 2004 gibt es in Bełżec eine
große Gedenkstätte mit Museum.Auf der Rückfahrt von Bełżec nach Lublin besuchen wir die
Renaissance-Stadt Zamość...
5. Oktober, Freitag
Heute besichtigen wir das ehemalige Vernichtungslager Sobibór, das im Dreiländereck Polen, Ukraine und Weißrussland gelegen ist. Bevor wir jedoch zur Gedenkstätte Sobibór fahren, besuchen wir die Stadt Wlodawa, knapp 20 Kilometer von Sobibór entfernt. Von den etwa 10.000 Menschen, die vor dem 2. Weltkrieg in Wlodawa lebten, waren rund 7.000 Jüdinnen und Juden. Von ihnen wurden fast alle in das Vernichtungslager Sobibór verschleppt und dort ermordet. In Wlodawa werden wir die ehemalige Synagoge besuchen und mehr über die jüdische Geschichte der Kleinstadt erfahren. Am 24. Oktober 1942 mussten sich etwa 5.000 Jüdinnen und Juden auf dem Sportplatz von Wlodawa sammeln, und von dort aus zum Bahnhof marschieren, wo sie in Viehwaggons getrieben wurden. Der Sportplatz und der Bahnhof werden Stationen unseres Besuches in Wlodawa sein. Bis zum erfolgreichen Aufstand der jüdischen Häftlinge am 14. Oktober 1943 ermordete die SS im Lager Sobibór etwa eine Viertelmillion jüdische Menschen. Knapp 50 überlebende Häftlinge sind bis heute namentlich bekannt.
6. Oktober, Samstag
Rückreise
Wir reisen mit der Bahn von Lublin nach Berlin. Die Zugverbindung
mit der Abfahrts- und Ankunftszeit steht erst mit der
Veröffentlichung des Sommerfahrplans der Deutschen Bundesbahn
zur Verfügung.
Unterbringung
Wir wohnen in Lublin im „Dom na Podwalu“, einem Gästehaus der
Katholischen Kirche.
Das über 300 Jahre alte historische Haus ist in der Lubliner Altstadt
unterhalb des Schlosses gelegen.
Die Unterbringung erfolgt im Zwei-Bettzimmer. Gegen Aufpreis von
70,00 Euro ist die Buchung von Einzelzimmern möglich.
Anmeldungen
Wir bitten um frühzeitige Anmeldung, da sonst die Teilnahme nicht
garantiert werden kann.
Der TeilnehmerInnenbeitrag beträgt 460,00 Euro. Im Teilnahmebetrag
enthalten sind die Übernachtung , Vollverpflegung, An- und Abreise.
Bei eigener Anreise nach Lublin, reduziert sich entsprechend der
Teilnahmebeitrag. Die TeilnehmerInnen der Bildungsreise werden
vom Veranstalter nicht kranken- und nicht reiseversichert.
Anmeldungen und Überweisung des Teilnahmebeitrages bitte an das
Bildungswerk Stanislaw Hantz e.V. Kassel
Konto 1071 371; BLZ 520 503 53 der Kasseler Sparkasse.
Fragen zum Programm, Ablauf und Organisation der Veranstaltung beantwortet das Bildungswerk Stanislaw Hantz e.V. (Sabine Biel):
Sabine Biel
biel@bildungswerk-ks.de Dörnbergstraße 11
34119 Kassel
