Annäherung an das weibliche Auschwitz - Frauenstudienfahrt
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19.10.2012 um 00:00 bis 22.10.2012 um 00:00 |
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| Wo | Auschwitz |
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Interessierten an dieser Bildungsreise schicken wir gerne weitere Informationen zu. Die Teilnahmekosten enthalten Übernachtung, Vollverpflegung, Bildungsprogramm und betragen 350,- Euro. Inklusive An- und Rückreise mit der Bahn ab/nach Berlin betragen die Teilnahmekosten 450,- Euro. |
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Frauen wurden die Haare geschoren, sie wurden tätowiert, in eigens für sie bestimmte Lagerabschnitte gesperrt. Sie wurden zur Zwangsarbeit eingesetzt, hungerten, litten quälenden Durst.
Etwa ein Drittel der Häftlinge in Auschwitz waren Frauen. Frauen zählten zum Lagerpersonal, sie arbeiteten in der Verwaltung und meldeten sich zum Wachdienst im Konzentrationslager. Ehefrauen und Freundinnen besuchten ihre Männer am Einsatzort oder siedelten dorthin um.
Dem Schock der Ankunft, der brutale Empfang auf der Rampe und das Auseinanderreißen von Familien, Freunden und Bekannten, folgte die Aufnahme im Konzentrationslager. Neben Tätowierungen zählten gynäkologische ‚Untersuchungen’, die Ausgabe von Häftlingskleidung und das Rasieren der Körperhaare dazu.
„Fast eine jede von uns flehte: ‚nicht ganz kahl, bitte nicht ganz kahl.’ (...) Vor uns lag ein Berg von Haaren in allen Farbschattierungen, traurig lagen sie da, alle die schönen Locken.“
Das Gebäude des ehemaligen Häftlingsbordells weist nicht nur auf die historische Situation von zur Prostitution gezwungenen Frauen hin, sondern ebenso auf ihre Schwierigkeiten nach der Befreiung. Die eigene Scham, aber auch die gesellschaftliche Nicht-Anerkennung ihrer Zwangssituation kennzeichnet die Situation dieser Frauen. Bis heute findet sich kein Hinweis des Museums auf die Funktion dieses Gebäudes.
Der ehemalige medizinische Block im ‚Stammlager’ diente den rasse-politischen Plänen der Nationalsozialisten. Hier wurden in Versuchen an Frauen deren Eileiter verklebt, um ihre Unfruchtbarkeit herbeizuführen. Langfristiges Ziel sollte die Erforschung von Methoden der Massensterilisation sein, um letzten Endes ganze Völker aussterben zu lassen.
Direkt hinter dem Zaun des Lagers befand sich die SS-Siedlung, in der SS-Führer gemeinsam mit ihren Familien untergebracht waren. Ein möglichst ‚normales’ Leben bei Feierabend gleich neben dem Vernichtungslager war hier möglich und auch üblich; dazu zählten neben einem reichhaltigen kulturellen Programm auch der Zuzug der Ehefrauen. Sie nahmen am gesellschaftlichen Leben teil, versorgten die Familie, organisierten Normalität. Gleichzeitig profitierten sie von Häftlingsarbeit und bereicherten sich am Hab und Gut der Ermordeten.
Insgesamt 18.000 Menschen - Frauen, Männer, Kinder - lebten im sogenannten Theresienstädter Familienlager, bevor es von der SS im Sommer 1944 liquidiert wurde.
„Alte Frauen in Auschwitz, ihre Nacktheit und Hilflosigkeit, die Bedürfnisse alter Menschen, die geraubte Scham. Alte Frauen auf den Massenlatrinen, wie schwer ihnen der Stuhlgang fiel, oder umgekehrt, wie sie Durchfall hatten. Alles öffentlich. Das Körperliche so viel weniger selbstverständlich als bei jungen Menschen und Kindern, und besonders bei dieser Großmuttergeneration, die noch im schamhaften, prüden neunzehnten Jahrhundert geboren war.“
Im sogenannten Mexiko, einem nie fertiggestellten Lagerbereich in Birkenau, waren im Sommer 1944 ungarische Jüdinnen untergebracht, ohne Baracken, ohne Wasser, ohne Kleidung. Über sie hatte die SS noch nicht endgültig verfügt, sie warteten unter unsäglichen Bedingungen auf die Verschickung zur Zwangsarbeit oder auf ihre Vergasung.
Als Siebzehnjährige wurde die Polin Janina Janczyk ins Frauenlager Bírkenau verschleppt. Sie erzählt aus ihren Erinnerungen, zeigt die Blöcke und Pritschen des Frauenlagers, in denen sie lebte und schlief. Sie berichtet, wie es war, zurück nach Hause zu kommen; wie sie in ihrer Familie mit ihrer Vergangenheit lebte; wann und warum sie zur Gedenkstätte Auschwitz zurückkehrte...
Unmittelbar neben den Ruinen der Krematorien befindet sich der ehemalige Lagerabschnitt ‚Kanada’. Überwiegend Frauen arbeiteten hier. Sie waren damit beschäftigt, die mitgebrachten Habseligkeiten der Ermordeten zu sortieren, zu reparieren, für den Versand fertig zu machen.
„Die Frauen vom ‚Kanada’ arbeiteten die ganze Nacht durch, im Licht eines riesigen Scheinwerfers und im roten Schein flammender Schornsteine, begleitet vom Geratter der vorfahrenden Wagen, von den Schreien der Fahrer, der Vorarbeiterinnen, der SS-Posten. Ununterbrochen ertönten die Pfiffe der Züge, die neue Opfer brachten.“
Trotz zahlreicher Zeugnisse und Berichte von weiblichen Überlebenden aus Auschwitz erscheint das Schicksal von Frauen im Konzentrationslager eher als eine Ausnahme, als Abweichung vom ‚Normalen’. So ist beispielsweise das Häftlingsbordell in der Gedenkstätte nicht gekennzeichnet; die Gestaltung der Gedenkstätte in Birkenau legt BesucherInnen einen Rundgang nahe, der das Frauenlager ausschließt.
Die Frauenstudienreise des Bildungswerkes Stanislaw Hantz beleuchtet diese vielfach verschwiegene Seite der Geschichte und vermittelt ein grundlegendes Bild von Auschwitz aus weiblicher Sicht.
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